Als Paula nach dem Tod ihrer Mutter deren Nachlass erhält, findet sie ein Tagebuch. Von der Mutter geschrieben, dass Paula die Wahrheit erfahre. Neugierig geworden, begibt sich Paula auf die Reise in ihre Vergangenheit. Was sie dann herausfindet, hätte sie sich nie zu träumen gewagt.

 

Pommern im letzten Kriegsjahr. Die junge Anna lebt mit ihrer Tochter Paula bei ihrer Familie auf einem kleinen Gut. Als deren Dorf angegriffen wird, muss Anna um das Leben ihrer Tochter kämpfen – und um ihr eigenes.

 

Tief bewegt und gefesselt hat mich Annas Geschichte. Hera Lind verwebt zwei Schicksale zu einer Story, die es in sich hat. Sehr eindringlich schildert sie die Angst von Anna und wie sie tagelang um ihr Leben gebangt hat und immer für ihre Tochter da war. Sehr eindringlich aber auch die Hilfe, die Anna immer wieder zuteilwird und wie mutig manche Menschen sich dem Feind entgegengestellt haben.

 

Wir können uns diese Zeit heute gar nicht mehr vorstellen und so ist Linds neuer Tatsachenroman auch eine Reise in die Vergangenheit, die wir das Glück hatten, nicht miterleben zu müssen und die uns durch ihr Buch doch lebensnah vermittelt wird.

 

Fazit: man braucht teilweise schon einen starken Magen, um Annas Erlebnisse zu verarbeiten. Das Buch ist sehr spannend und mitreißend aufgebaut und man kann es kaum zur Seite legen.

 

 

 


Als Ellas Vater in einem tschechischen Lager stirbt, bricht für Ella eine Welt zusammen. Fortan muss sie stark sein: für ihre Mutter und den neugeborenen Bruder. Und mehr als einmal wächst sie über sich hinaus, bis sie endlich ihr Glück findet.

 

Hera Lind spannt den Bogen von realen Geschichten zum Roman und unterhält hierbei meisterlich. Was hatte ich Herzklopfen an manchen Stellen der Geschichte! Was Ella alles durchmachen musste, ohne dabei zu zerbrechen, hat mich sehr fasziniert. Schon als junges Mädchen muss sie Stärke zeigen und das Leben meint es nicht gut mit ihr. Auch die ständige Angst, bespitzelt und verhaftet zu werden, transportiert Lind sehr gut in ihrem Roman und bringt dem Leser die Schrecknisse der damaligen Ostzone so nahe, dass man sich sehr gut einfühlen kann.

 

Die Charaktere wurden von der Autorin sehr gut eingefangen. Man hofft, dass Alex sich fängt, bangt mit Ella um die Scheidung und bewundert Franzi für ihre toughe Art.

Besonders gegen Ende wird das Buch dermaßen spannend, dass man es kaum aus den Händen legen mag. Ellas Plan einer Flucht, der sich über ein Jahr hinzieht. Bewundernswert, wie sie das alles durchgehalten hat.

 

In einem Nachwort kommt die Protagonistin auch selbst noch zu Wort und das hat mich weiter tief berührt.

 

Fazit: Wir leben momentan auch in sehr schweren Zeiten, doch Ellas Erlebnisse sind viel schlimmer. So gesehen macht das Buch Mut, durchzuhalten. Es wird wieder aufwärtsgehen. Linds Tatsachenroman ist wieder sehr berührend und mitreißend. 

 

 

 


Was für ein Buch!

 

Und was für eine Geschichte. Gisa, genannt Peasy, wollte doch nur tanzen. Doch in einem Staat wie der ehemaligen DDR ist das nicht ganz so einfach. Als sie immer weiter degradiert und schikaniert wird, beschließen sie und ihr Mann die Flucht. Doch sie wurden verraten und an der Grenze festgenommen. Was nun folgt, ist ein Tagebuch der Qual. Für die Protagonistin, aber auch für den Leser.

 

Denn nicht nur Peasy leidet. Nein, der Leser leidet mit. Und wendet sich manchmal mit Schaudern ab. Was diese Frau erdulden musste und wie sie es durchgestanden hat ist bewundernswert.

 

Hera Lind schreibt seit einiger Zeit Schicksalsromane, die auf wahren Geschichten beruhen und mit „Die Hölle war der Preis“ ist ihr wieder ein Buch gelungen, das fesselt. Kein Buch, das man einfach so liest. Oder am Ende weglegt. Ein Buch, das die Gedanken noch lange bannt. Und klarmacht: Peasy war nicht die Einzige. Viele Frauen mussten diesen Tort erleben. Einige haben es geschafft, andere nicht.

 

Lind erzählt sehr eindringlich und stellt die Schrecken die ihre Protagonistin erleiden muss in den Vordergrund. Aber auch ihre Stärke „Pobacken zusammenkneifen, die Vorstellung geht gleich los“. Mit diesem Satz hält sich Peasy aufrecht. Und am Ende fließen dann die Freudentränen.

 

Fazit: Ein Buch, das atemlos macht. Atemlos ob der Gewalt und der Unmenschlichkeit eines Landes, das es zu recht nicht mehr gibt. Anschaulich erzählt nach einem wahren Fall und deshalb noch schlimmer als eine reine Erzählung. Zum Glück sind diese Zeiten bei uns vorbei.  

 

 


Ich mag die Geschichten von Hera Lind sehr gerne, die auf wahren Tatsachen beruhen. In ihren Büchern schafft sie es jedes Mal, mich aufs Neue zu fesseln. Mit dem Hintergrund, dass diese Menschen wirklich ge- und diese Dinge erlebt haben, macht das Lesen noch mehr Spaß. Und dieses Buch hatte es auch wieder in sich: die Schilderungen von dem Leben in der ehemaligen DDR, die Stasi-Willkür und die Angst und Ausgrenzung, die diese Menschen erleben müssen, nur weil sie einen Ausreiseantrag gestellt haben oder weil der Bruder geflohen ist, das war schon harter Tobak.

 

Der Stil von Lind ist so, dass man gern liest. Auch die Verbindungen zwischen den Handlungssträngen fand ich sehr gelungen. Ganz oft wird ein Ereignis in der Vergangenheit auch in der Gegenwart aufgegriffen. Als eine Kranke in der Vergangenheit z.B. ein Radio bekommt, bekommt der Kranke in der Zukunft einen tragbaren CD-Player.

 

Das Buch beginnt etwas verhalten, wird später aber richtiggehend spannend und hat mich so gefesselt, dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen, bis ich es durch hatte. Und am Ende war sogar noch ein kleines Gänsehautfeeling drin. Sehr schön fand ich auch, wie sich Lotti um ihren Bruder gekümmert hat. Ein wenig nervig allerdings fand ich manchmal ihre Art, mit den Menschen umzugehen. Auch die Geduld ihres Mannes – Hut ab. Manch einer hätte hier schon längst seinen solchen genommen und wäre gegangen.

 

 

Fazit: wieder ein gelungener Tatsachenroman über Geschwisterliebe, die nichts entzweien kann. 

 

 

 


Ein authentisches Buch, das auf Tatsachen beruht.

 

Selma ist glücklich: sie hat sich eben mit ihrer Jugendliebe verlobt und träumt von der großen Hochzeit in der Türkei. Doch dann wird sie von einem anderen Türken entführt und in seiner Wohnung eingesperrt und entehrt. Selma ist erst 17 und traut sich nicht, sich zu wehren. So muss sie jahrelang seine Grausamkeiten ertragen und hat keine Chance zur Flucht. Erst als sie eine Tochter hat ist sie bereit, für diese zu kämpfen.

 

Ein starkes Buch, das sehr aufrüttelnd wirkt. Wer rechnet denn im 21. Jahrhundert noch damit, dass Frauen, so behandelt werden? Zu Beginn hätte ich beinahe aufgehört zu lesen, das Buch war einfach zu grausam, die Protagonistin tat mir so leid. Doch dann wurde es immer spannender und Selma begann sich zu wehren. Sehr schön war immer zu sehen, wie gut die Familien zusammenhalten. Ich habe auch eine türkische Kollegin, bei ihr ist das genauso. Sehr authentisch also alles.

 

Ich mag die Reihe von Hera Lind mit den wahren Geschichten sehr gerne. Nie hat man das Gefühl, dass man nur eine Story liest. Es steckt viel Herzblut in ihren Erzählungen und das liest man mit jeder Seite mit.

 

Sehr gut ist auch dargestellt, warum Selma sich nicht wehrt, wie sie das Ehrgefühl ihrer Kultur daran hindert und dass wir westlich erzogenen Menschen das schlecht verstehen können. Nach der Lektüre von „Die Frau, die frei sein wollte“ versteht man das Handeln dieser Menschen sehr viel besser.

 

Ich freue mich schon auf den nächsten Band und bin gespannt, wessen Geschichte sie dann aufgreift. 

 

 


Als Juliane Bressin 3 thailändische Kinder in ihre Familie holt, ahnt sie nicht, welche Schwierigkeiten sie noch bekommen wird. Denn die 3 sind „ganz normale Kinder“, wie die vermittelnde Stiftung sie anpreist. Doch als die 3 schließlich im Haus sind, entpuppen sie sich als zutiefst verstört und vor allem das ältere Mädchen reagiert unwirsch und teils gewalttätig. Für Juliane scheint ihre bisherige heile Welt zu zerbrechen.

 

Ein Buch zu schreiben, das auf Tatsachen beruht, ist nicht immer einfach. Doch Hera Lind gelingt es, die schrecklich-schöne Handlung in einen tollen Roman zu verweben, den man nicht mehr aus der Hand legen mag. Der Beginn hat sich ein wenig gezogen, bis die Familie die Kinder überhaupt einmal sehen durfte. Doch dann war ich gefangen und konnte nicht mehr aufhören zu lesen.

 

Dass alles einen wahren Hintergrund hat, auch wenn Lind die Personen und Orte stark verändert hat, macht das ganze Buch noch intensiver und spannender. Auch als Leser weiß man nie, inwiefern man Malie nun glauben kann. Linds Schreibweise ist sehr flüssig und mitreißend.

 

Besonders berührt hat mich dann noch das Nachwort von Juliane Bressin – und vor allem ihr letzter Satz.

 

 

Fazit: Ein Roman, der unglaublich wirkt, und doch fast so geschehen ist. Sehr intensiv und mitreißend.